Sanierungdes denkmalgeschützten Spörl-Hauses in Hiltpoltstein, 2013

Sanierung des denkmalgeschützten Spörl-Hauses in Hiltpoltstein, 2013

Leistungsphase 1-4


Vereinsheim Ortsgruppe Hiltpolstein des Fränkische-Schweiz-Vereins

Sanierung des denkmalgeschützten Spörl-Hauses in Hiltpoltstein
©Architekt Schönfelder


Sanierung des denkmalgeschützten Spörl-Hauses in Hiltpoltstein
Sanierung des denkmalgeschützten Spörl-Hauses in Hiltpoltstein

Das „Spörlhaus“ in Hiltpoltstein

Das unscheinbare, unter Denkmalschutz stehende Haus, das an der Ecke zwischen dem „Hinteren Berg“ und „Am Schlosshof“ am nordseitigen Fuß des Burgfelsens liegt, hat eine lange Geschichte.

Es gehörte ca. 300 Jahre, von 1503 bis 1807 zu den Besitzungen des Pflegamtes und diente als Brauhaus für den Pfleger und die Gemeindeglieder. Es ist leider noch nicht bekannt, wann das Brauhaus seinen Betrieb aufgenommen hat, die Chronik der Schankwirtschaft im Ort beginnt jedoch schon im frühen 15. Jhdt.

Die älteste Nennung der Existenz und Lage des Brauhauses fanden FSV-Mitglieder bisher in dem Saalbuch von 1547. Hier ist bereits von dem Braumeister die Rede und selbst über die Zusammensetzung des Sudes gibt es einen Hinweis. Bierumgelt für die durchgeführten Sude wird nachweislich seit 1530 gezahlt.

Im Kupferstich von Böner von 1696 ist das Brauhaus deutlich dargestellt und in der Legende als solches bezeichnet.

Mit Beginn der Zugehörigkeit von Hiltpoltstein zu Nürnberg im Jahr 1503 und Sitz des Pflegamtes auf der Burg liegen umfangreiche Aufzeichnungen im Staatsarchiv Nürnberg vor, die etwa ab Mitte des 16.Jhdt mit fast immer gleicher Gliederung und dann in jährlichem Rhythmus sehr gute Informationen über Einnahmen und Ausgaben des Pflegamtes Rechenschaft ablegen.

Das erste gefundene Inventarverzeichnis für das Brauhaus ist in der „Pflegamtsrechnung“ von 1630 enthalten und nennt z.B. einen kupfernen Braukessel, an anderer Stelle ist die Größe mit 60 Eimern Inhalt nach altem Nürnberger Maß angegeben.

Mit dem Ende der Nürnberger Hoheit und dem Übergang an das Königreich Bayern wird das Pflegamt aufgelöst und einzelne Gebäude werden spätestens um 1807 zum Kauf angeboten, so auch das Brauhaus.

Aus den Unterlagen der Finanzdirektion Pegnitz, zu der Hiltpoltstein im 19. Jhdt gehörte, geht hervor, dass der Verkauf nach mehreren Anläufen über die Bühne ging. Die Besitzer wechselten später jedoch mehrmals (unter anderem teilten sich zunächst 10, dann 8 Personen den Besitz und betrieben es wohl als Kommunbrauhaus), bis die letzten 3 Brauhausbesitzer das Haus 1868 an den Schuhmachermeister Georg Spörl verkauft haben, Daher kommt wohl auch der Hausname „Spörlhaus“.

Das Haus wurde schließlich 1872 in ein Wohnhaus mit Stall umgebaut, der Dachboden über dem Erdgeschoss wurde zu Wohnzwecken in kleinere Räume unterteilt. Im Erdgeschoss wurden neben Stube und Küche Schweine- und Kuhstall eingebaut, die bis in die 60er Jahre noch als solche genutzt wurden.

Seit Ende 2012 ist der FSV Hiltpoltstein e.V. Eigentümer des unter Denkmalschutz stehenden Hauses und der gegenüberliegenden Scheune.

Wie bekannt gab es im Lauf der vergangenen Jahrhunderte mehrere kriegerische Auseinandersetzungen die auch den fränkischen Raum getroffen haben und wobei auch Hiltpoltstein mehrmals gebrandschatzt wurde und mindestens einmal nahezu komplett zerstört wurde außer Burg und Kirche.

Die Aufzeichnungen des Pflegamtes lassen auf viele umfangreiche Reparaturen und Umbauten des Brauhauses im Lauf der Jahrhunderte schließen. Die dendrochronologische Untersuchung des Holzes im Dachstuhl des Hauses ergab einen Fällzeitraum im Winter 1743 auf 1744.

Die Erneuerung des Dachstuhls in dieser Zeit hat aber die Brautätigkeit wohl nicht gravierend unterbrochen, da auch in diesem Jahr die Anzahl der durchgeführten „Sieden“ angegeben wird.

Ziel des FSV Hiltpoltstein ist es, das Haus möglichst stilgerecht und wo nötig mit neuen Bauelementen wieder in einen ansehnlichen Zustand zu versetzen. Mitglieder haben in den letzen 3 Jahren in die Hände gespuckt und sind die Renovierung angegangen. Es wurde und wird noch viel Eigenleistung eingebracht. Für einige Gewerke war natürlich auch der Einsatz professioneller Handwerker erforderlich.

Rein Äußerlich ist das Haus mit Ausnahme der Haustüren nahezu komplett fertig gestellt. Im Inneren sind aber noch diverse Arbeiten erforderlich. Wir hoffen, das Haus heuer in der ersten Jahreshälfte einweihen zu können.

Neben dem Einsatz von Eigenleistungen und Eigenmitteln des FSV Hiltpoltstein wird die Sanierung gefördert vom Landkreis Forchheim, vom Landesamt für Dankmalpflege, der Oberfrankenstiftung und der Bayerischen Landesstiftung.

Zukünftige Nutzung

Das Spörlhaus wird in Zukunft im kleineren Teil als Vereinsheim des FSV dienen, ansonsten aber mit Archivraum und musealem Ausstellungsraum Platz für Informationen über die Geschichte des Ortes, des Brauhauses und z.B. über das Handwerk im Ort in alter Zeit bieten.

Das Haus ist auch zu sehen in Kombination mit dem Oberen Tor, in dem der FSV Gegenstände aus der Vergangenheit zusammengetragen hat und der Scheune gegenüber dem Haus, in der vor allem alte landwirtschaftliche Utensilien zur Schau gestellt werden sollen.

Der Aufenthaltsraum wird Gelegenheit bieten für Zusammenkunft von geschichtlich interessierten Leuten, dem Frauensingkreis des FSV, von Vereinsmitgliedern usw. Auch kleine kulturelle Veranstaltungen werden in Zukunft angestrebt.

Interessierte Besucher sind herzlich willkommen und nach Anmeldung können wir gerne näheres über das Haus und den Ort erzählen.

R.Geldner, im Januar 2016


Gefördert durch den Entschädigungsfond des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege

Gefördert durch Oberfrankenstiftung www.oberfrankenstiftung.de